Der schönen, blauen Donau: Bratislava für Feinschmecker

Die einfache Küche Bratislavas schwelgt gerne in Fleisch. Doch die slowakische Hauptstadt bietet auch feine, moderne Restaurants mit Sterne-Ambitionen.

Am Wiener Schwedenplatz sieht man die Fahnen von Weitem. Bis zu dreimal am Tag legt der Twin-City-Liner an und braust dann in 75 Minuten ins nahe Bratislava – auf der schönen, blauen Donau, wenn sie auch manchmal nicht der Idealfarbe entspricht. Und dort in Bratislava hab ich die Restaurants und Wirtshäuser getestet, denn wie sagte schon der alte Goethe? „Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah!“

Und die slowakische Hauptstadt, bis vor wenigen Jahren noch als grau und unattraktiv verschrien, hat mächtig aufgeholt, auch als Wochenendziel für Feinschmecker oder für alle, die beruflich in der slowakischen Hauptstadt zu tun haben.

Wir beginnen ganz einfach, aber originell. Mitten in der Stadt an der Goldenen Straße liegt ein alter Kinopalast, im 18. Jahrhundert noch Teil eines Klosters, heute der Inbegriff der slowakischen Küche: das „Flagship Bratislava“. Durch die schwere Eingangstüre ab in den ersten Stock, eine riesige Bar in der Mitte, rundherum Holztische, schwer wie die Speisen, die dann folgen. Denn das „Flagship“ ist nix für die Liebhaber der Nouvelle Cuisine, hier geht’s noch richtig bodenständig zu.

Zuerst Krautsuppe mit Speck und Sauerrahm, vor der Knoblauchsuppe warne ich, da müssen Mitreisende noch viele Stunden später büßen. Dann die Nationalspeise unserer Nachbarn, Brimsennockerl (die berühmten „Halusky“) mit Schafkäse und viel Speck, für die Vegetarier unter uns auch ohne. Dann Schweinsbraten oder Schweinsstelze oder Schweinsripperl – oder für die Hungrigen oder die ganze Family alles zusammen auf einer riesigen Schlachtplatte für 35 Euro, da kann man nicht meckern. Aber ein Wacholderschnaps muss es schlussendlich schon sein, selten war das Argument dafür so klar wie im „Flagship“.

Das "Flagship Bratislava". Hier kommen Freunde der bodenständigen böhmischen Küche voll auf ihre Kosten. © beigestellt

Wer es weniger rustikal will, aber trotzdem so richtig einheimisch, pilgert stattdessen ins „Modra Hviezda“, ein typisches Wirtshaus in einer kleinen kopfsteingepflasterten Gasse unter der schönen Burg, eines der Wahrzeichen des alten Preßburg. Natürlich findet man auch dort die Halusky-Nockerln, aber auch Gänseleber mit karamellisiertem Apfel, Schweinenacken mit Kastanien und ein Reh mit Brombeerenknödel: net schlecht. Familien bitte aufpassen, denn im „Blauen Stern“, so die Übersetzung, haben Kinder unter sieben Jahren keinen Eintritt – befremdlich, warum auch immer.

© Modrá Hviezda

Feine moderne Küche á la Slovakia

Aber keine Angst, es gibt nicht nur kalorienbombige Wirtshäuser, sondern auch eine feine, moderne Küche mit slowakischen Einsprengseln. Zwei davon haben es mir besonders angetan. Vor allem das „Eck“ des Finanzinvestors Patrik Tkaç, der endlich auch ein Sternerestaurant in Bratislava kreieren wollte. In Devin etwas außerhalb vom Stadtkern inmitten eines kleinen Weinguts bietet das „Eck“ nur 30 Gästen ein zwölfgängiges Menü um 105 Euro an.

Chefkoch Daniel Tilinger, der zuvor im Salzburger „Ikarus“ gewerkt hat, serviert Forelle mit Fenchel, einen Igelstachelbart (seltener Pilz aus der Gegend) mit Walnüssen und Morcheln und ein Lamm mit Spinat – alles exzellent, und der Stern wird auch noch kommen, spätestens mit dem Österreich-„Michelin“.

Chefkoch Daniel Tilinger, bekannt aus dem "Ikarus" am Salzburger Hangar 7, kocht jetzt im "Eck" in Bratislava auf. © beigestellt
© ECK

Ähnlich in der Qualität, aber stadtnäher präsentiert sich das „Irin“, bequem gelegen in einem efeuberankten Häuschen gleich hinter der Martinskirche. Das Lokal ist innen schlicht und skandinavisch eingerichtet, Chef Lukas Hesko integriert die heimischen Spezialitäten wie Lakse (Palatschinken mit Füllung) oder Halusky in seinem Menü vom Rehcarpacchio bis zum heißen Schokokuchen. Vom Wohlfühlfaktor einer der besten Tipps in Bratislava!

© Irin Restaurant
Aber auch im „Bistronomy“ auf der anderen Seite der Donau (Spargel mit Forellenkaviar, Stör mit Artischocke, Kaninchen mit Erbsenpüree) oder im „Houdiny“ im gleichnamigen Hotel (unbedingt die Heidelbeerknödel zum Dessert probieren) lässt es sich vorzüglich speisen, wenn man gerade den Aufstieg zur Burg hinter sich gebracht hat. Und im „Søgu“ ist der TV-Koch Martin Novak zugange, der in seinen „Kitchen Nightmares“ schon einige verblichene Restaurants gerettet hat. In seinem eigenen Lokal ist es immer voll, dank Rindscarpacchio mit Trüffel, gebackener Forelle mit Wassersalat und einem Roastbeef mit Pilzragout (ja, die Schwammerl sind allesamt selbst geerntet).
© Bistronomy
© Houdini Restaurant

Um ehrlich zu sein, guter Fisch ist auf den Speisekarten von Bratislava selten zu finden, zu ausgeprägt ist die Fleischesliebe der Slowaken. Aber auch da bin ich fündig geworden. Etwa im „Al Faro“ direkt an der Donau samt Terrasse – einer meiner Lieblingsplätze für einen Lunch, vor allem am Sonntag. Den jeweiligen Fisch (vor allem Orata und Branzino) kann man sich im Glaskasten aussuchen, und für die Kinder gibt es ausnahmsweise eine wirklich gute Pizza. Familienherz, was willst du mehr?

Guten Fisch findet man auch im „Kogo“, dem besten Italiener der Stadt unweit des schönen Hauptplatzes Hlavné Namestie. Von der gläsernen Terrasse schaut man rüber aufs Carlton-Hotel, wo sich Tous Bratislava trifft, und auf dem Teller türmt sich das Seafood, entweder Fisch oder eine Platte mit Oktopus/Shrimps/Scallops/Muscheln – ich vermute, direkt aus den 80 Kilometer entfernten Wien importiert.

© KOGO REŠTAURÁCIA

Im ersten Stock darüber habe Zuzana und Dalibor, die beiden Eigentümer, das beste Steaklokal der Stadt etabliert. Im „D-Steakhouse“ bieten sie Beef aus Japan, USA, Italien und der Slowakei an. Ehrlich, ich bin beim heimischen Rind nie enttäuscht worden und bestelle für mich und die Geschäftsfreunde meist die große Platte mit dem Filet aus dem Piemont, dem Striploin aus Amerika und dem Ribeye aus dem Osten der Slowakei – eineinhalb Kilo Beef, da freuen sich alle, und hungrig ist noch keiner nach Hause gegangen

© D.STEAKHOUSE.sk

Essen mit Aussicht

Wem es um die Aussicht geht, dem empfehle ich das „Parlament“ knapp unterhalb der Burg. Der Blick über Bratislava ist beeindruckend, fast wie vom Kahlenberg, nur liegt einem unten Bratislava zu Füßen. Na ja, das Essen ist auch in Ordnung, aber nicht umwerfend. Spargelrisotto mit dem – unvermeidlichen – slowakischen Schafkäse, dann ein Preßburger Schnitzel (das kommt mit kleinen Zwiebelperlen) und nachher ein Schokoladen-Soufflé, na ja.

Wenn dann noch ein ordentlich slowakischer Rotwein dazukommt, zum Beispiel ein süffiger Kadarka 2020 von Bott-Frigyes, dann weiß ich auch wieder die Donaudampfschifffahrtsgesellschaft – mein Lieblingswort seit Kindheitstagen – zu schätzen, die mich stromaufwärts in eineinhalb Stunden zurück nach Wien bringt.

© Restaurant Parlament

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