The Hans in Brüssel: Die Belgische Trilogie

Politiker, Unternehmer und Lobbyisten machen sich wegen der EU auf den Weg nach Brüssel, doch unsereins verschlägt es eher wegen der Kulinarik in die belgische Hauptstadt, deren hervorragende Küche drei Schwerpunkte hat: Bier, Pommes und Schokolade. Dafür ist Brüssel berühmt.

Das belgische Bier ist schon etwas Besonderes. Durchgehend etwas bitterer, aber süffiger und in ganz vielen Variationen erhältlich. Den Vogel schießt natürlich das Bier-Paradies „Delirium“ (nomen est omen!) gleich neben dem Grand-Place ab. Dort kann man unter 2.000 Bieren wählen, was dem Lokal sogar eine Eintragung ins Guinness Book of Records beschert hat. Wer, so wie ich, kein richtiger Auskenner ist und außerdem nicht das dicke Bierbuch durchblättern will, der wendet sich an den Sommelier an der langen Theke. „Bitte fünfmal Bier zum Verkosten!“ heißt meine Bitte, vom „Troubadour“ mit laschen 6,5 Prozent Alkohol bis zum „Malheur 12“ mit satten 11,5 Prozent, na servus.

Wer nicht nur Bier trinken, sondern auch was Ordentliches essen will, dem empfehle ich den „Beers Garden“, immerhin 50 verschiedene Biersorten, aber auch gute Muscheln mit Weißwein oder Knoblauch oder Roquefort oder Spicy Thai. Der ÖVP-Delegationsleiter im Europäischen Parlament, Reinhold Lopatka, frequentiert am liebsten die „Beer Factory“: „Die ist gleich um die Ecke vom Parlament, das ist mein Stammbeisl, wenn ich in Brüssel bin!“ Spezialität sind dort neben dem Bier Steaks und Spareribs, Fish and Chips und natürlich die in Brüssel unvermeidlichen Muscheln.

Im „À la Mort Subite“ (übersetzt „Zum plötzlichen Tod“, oje) werden zum Bier verschiedene Snacks von Pâté, Schinken, Beef Tatar, Kalbskopf bis zu einer molligen Quiche Lorraine serviert. Und bei der Brasserie „Nüetnigenough“ („Die niemals genug bekommen“) gibt’s dazu flämische Klassiker wie Kroketten mit Ochsenschwanz, Kartoffelpüree mit Blutwurst, Rindsrouladen, Schweinemagen mit Senfsoße – deftig, aber gut.

Aber jetzt zum zweiten Höhepunkt der Brüsseler Spezialitäten, den Pommes frites. Denn die werden hier wie höheres Kulturgut gefeiert. Stimmt schon, so gut wie hier kriegt man sie fast nirgendwo auf der Welt, aber trotzdem bleiben es halt nur – Pommes frites. Egal, aber wo kann man die besten finden?

Wer in der EU zu tun hat, im Ratsgebäude oder im Parlament, den zieht es naturgemäß daneben am Place Jourdan zur „Maison Antoine“. Ja, gute Qualität, im Rinderfett frittiert, aber wie Kanzlerin Merkel, öfter „Antoine“-Kundin, anschließend den Nachmittag bei den Verhandlungen durchgestanden hat, bleibt mir ein Rätsel, mir sind sie einfach zu schwer. Da lob ich mir die von „Fritland“ gleich um die Ecke vom Grand-Place, die sind deutlich leichter, wenn man sie nicht als „Mitraillette“ konsumiert, also eingelegt in ein Sandwich (!) mit Hamburger oder Wurst an der Seite. Bei „Fritkot Chouke“ am Place Sainte-Catherine begeistern mich die zehn wirklich originellen Saucen von „Sauze Samurai“ bis „Sauze Dallas“.

Das vornehmste Frittenlokal ist auch gleichzeitig das beste: „Frites Atelier“ macht eher den Eindruck einer Brasserie und nicht den eines Kiosks. Kein Wunder, Chef ist der niederländische Drei-Sterne-Koch Sergio Herman. Sein Credo: „Auch die einfachsten Speisen wie Pommes frites verdienen dieselbe Hingabe wie ein Sternemenü – und genau das machen wir hier!“ Man schmeckt’s, solo mit Tatar oder mit ein paar Löffeln von flämischem Gulasch. Sterne-Pommes-frites eben.

Nummer drei am Brüsseler Kulinarikhimmel ist die Schokolade – in Belgien durchgehend mit mehr Kakao und dadurch ein bisserl vornehmer schmeckend als die Milchschokolade zu Hause. Aber nicht nur die Rezeptur, nein auch die Kreativität der Chocolatiers hat die belgische Schokolade in aller Welt berühmt gemacht. In der Hauptstadt suchen wir die besten Marken und Shops abseits von Godiva und Neuhaus, die ohnehin auf jedem internationalen Flughafen zu finden sind.

Mein absoluter Favorit ist „Pierre Marcolini“ mit vier Shops in der Brüsseler Innenstadt. Die Macarons sind Weltklasse, besser als die französischen, Pralinen, dünne Schokoladenblätter – und Geschenkkörbe, die man für Büro, Freunde oder Familie nach Hause nehmen kann. Mehr als hundert Jahre alt ist die Tradition von „Wittamer“, Bäckerei und Schokomanufaktur, die bis nach Japan expandiert ist. Und 70 verschiedene Schokoladensorten findet man bei „Passion Chocolat“, die Bruchschokoladen kann man auch mischen, um ein paar auszuprobieren. Preislich sind sie alle recht hoch angesiedelt. Wer etwas günstiger einkaufen will, den schicke ich zu „Mary Chocolaterie“, fünfmal in Brüssel, davon ein Geschäft direkt am Grand-Place.

Ja, Bier, Pommes und Schokolade haben Belgiens Ruf geprägt, aber wir wollen auch nicht die vielen hervorragenden Restaurants in Brüssel vergessen – aus Platzmangel meine Tipps diesmal nur in Kurzform. Bei „Fine Dining“ habe ich drei Vorlieben. An erster Stelle steht die bezaubernde „Villa Lorraine“ beim Stadtwäldchen Bois de la Cambre, wo Chef Yves ­Mattagne ein Menü der Sonderklasse serviert – erst vor Kurzem habe ich Tuna und Aal als Vorspeise, Makrele mit Jalapeño, Jakobsmuschel mit Wasserkresse, Langustine mit weißem Trüffel und zum Schluss doch noch Fleisch, nämlich einen Hasen mit Raviolo, genossen.

Auch ein anderer Liebling meinerseits kocht groß in einer Villa im Osten der Hauptstadt auf: Christophe Hardiquest kann man im „Menssa“, Wortspiel aus „Mens“ (Seele) und „Mensa“ (Tisch), bei der Arbeit zusehen. 26 Gäste nehmen an der geschlungenen Theke Platz und bekommen fantastische Kreationen serviert: Austern mit Wodka-Tonic-Gelee, Doraden-Ceviche mit Koriander und Kartoffelsorbet, Rindsrippe mit Artischocken und einem Hauch von Parmesan – alles spannend. Und dann muss man natürlich das „Bozar“ im gleichnamigen Haus der Künste erwähnen. Chefin Karen Torosyan ist gerade zur Köchin des Jahres in Belgien gewählt worden, wenn das keine Empfehlung ist …

Aber jetzt zu den besten Brasserien, wobei es sich bei ein paar Hundert dieser Art um eine subjektive Auswahl handelt. Am eindrucksvollsten ist die „Belga Queen“ in einer umgebauten Bank mit wunderschönem Glasgewölbe und einer Bar im ehemaligen Tresorraum – also Whiskey und Gin statt Goldbarren. Eher gediegen speist man im „Aux Armes de Bruxelles“ in der Rue des Boucher, der Touristen-Fressmeile. Aber dort trifft man hauptsächlich Belgier, die Waterzooi (Cremesuppe mit Fisch, Muscheln oder Huhn) ist tadellos, und man fühlt sich ob des Holzund Messing-Interieurs wie zur Jahrhundertwende. Ähnlich das „Stekerlapatte“, wo sich Richter und Anwälte treffen, bevor es im nahen Justizpalast weitergeht.

Im gemütlichen „L’Ogenblik“ kann man den SPÖ-Chef im EU-Parlament, Andreas Schieder, antreffen. „Bodenständig, nur 50 Meter neben dem Grand-Place, gute Küche!“, urteilt er. Ich kann mich dem nur anschließen: Kroketten mit Garnelen, eine hervorragende Foie gras zum Einstieg und dann einen Fasan, im Champagnerkraut zubereitet, das macht Spaß. Und noch eine Schieder-Empfehlung, der ich voll zustimmen kann: „Mer du Nord“ am Fischmarkt, drinnen Austern, Suppe, Garnelen, Fisch bestellen und am Stehbuffet verzehren – natürlich mit einem Becher Bier in der Hand.

Womit wir wieder am Ausgangspunkt angelangt sind – Brüssel und Bier sind tatsächlich ideale Partner!

Bier

Pommes Frites

Schokolade

Fine Dining

Brasserien

← Zur Übersicht